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Deutsche Siebenkämpferinnen jubeln in Götzis

Hatten in Götzis alle drei Grund zur Freude – Carolin Schäfer, Claudia Rath und Cindy Roleder. (Foto: Iris Hensel)
Hatten in Götzis alle drei Grund zur Freude – Carolin Schäfer, Claudia Rath und Cindy Roleder. (Foto: Iris Hensel)

Das Hypo-Meeting in Götzis war auch bei seinem 40. Jubiläum ein außergewöhnliches Mehrkampffest. Ein Besucher-Rekord sorgte für beste Stimmung, die die Athletinnen zu einem Landesrekord, zehn Siebenkampf-Bestleistungen sowie reihenweise persönlicher Disziplinrekorde anpeitschten. Grund zur Freude hatten auch die drei DLV-Starterinnen – allen voran die beste Deutsche Carolin Schäfer, die bei ihrem zweiten Götzis-Start über sich hinauswuchs. Mit einer Steigerung ihrer bisherigen Bestleistung um 152 Punkte reihte sie sich auf Rang zwei direkt hinter Vize-Weltmeisterin Brianne Theisen-Eaton ein und etablierte sich damit klar in der Weltspitze.

Der abschließende 800-Meter-Lauf versprach Höchstspannung. Brianne Theisen-Eaton, die sich bereits nach der zweiten Disziplin an die Spitze gesetzt und ihre Führungsposition nicht mehr abgegeben hatte, war der Sieg zwar kaum noch zu nehmen. Doch ging es bei ihr um eine annähernde Einstellung ihrer 800-Meter-Bestleistung, um noch den kanadischen Landesrekord knacken und erstmals die 6800-Punkte-Marke übertreffen zu können. Hinter ihr kämpften nach dem Verzicht der bis dahin Zweitplatzierten Daphne Schippers noch sieben Athletinnen, die nur 156 Punkte auseinanderlagen, um die Podest-Plätze. Im Sog der stark laufenden Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hilton (02:09,21 Minuten), die mit letztlich 6520 Punkten ein starkes Comeback nach zweijähriger Babypause feierte, gelang nicht nur Brianne Theisen-Eaton der große Coup (02:09,37 Minuten und 6808 Punkte). Drei weitere Athletinnen steigerten ihre Bestleistungen – darunter auch Carolin Schäfer, die sich sogar noch vom fünften auf den zweiten Rang verbessern konnte.

Wie aus einem Guss und doch nicht perfekt
„Phänomenal! Ich habe keine Worte. Diese Punktzahl! Unglaublich, dass ich Zweite in Götzis bin - sogar noch vor Jessica Ennis!“ sprudelte es nach dem Wettkampf aus Carolin Schäfer heraus. Dabei erwischte die EM-Vierte des Vorjahres zunächst einen etwas holprigen Start als sie an der achten Hürde hängen blieb, sich aber trotzdem in guten 13,58 Sekunden ins Ziel retten konnte. Sie ließ sich durch den Strauchler nicht beirren und kam danach im Hochsprung mit 1,83 Meter bis auf einen Zentimeter an ihre bisherige Siebenkampf-Bestleistung heran, bevor sie sowohl im Kugelstoßen mit 14,06 Meter als auch über 200 Meter in 23,53 Sekunden neue Hausrekorde aufstellte. Am Ende des ersten Tages standen 3879 Punkte zu Buche – 34 Punkte mehr als bei ihrem bislang besten Siebenkampf und Platz 4 in der Zwischenwertung.

Am zweiten Tag knüpfte die Frankfurterin nahtlos daran an und blieb mit sehr guten 6,23 Meter im Weitsprung und ausgezeichneten 49,08 Meter im Speerwurf weiter auf Kurs. Auf Platz fünf liegend ging sie in die letzte Disziplin. Mit viel Kampfgeist stellte sie über die lange Zeit ungeliebten 800 Meter in 02:14,10 Minuten ebenfalls eine neue Bestleistung auf. Der Lohn waren Platz zwei und 6547 Punkte – eine Punktzahl, mit der sie so früh noch nicht gerechnet und die sie sich eigentlich erst für die Weltmeisterschaften in Peking vorgenommen hatte. Entsprechend positiv fiel ihr Fazit aus: „Der Wettkampf war wie aus einem Guss. Der perfekte Siebenkampf war es zwar noch nicht, aber das wäre ja auch blöd. Sonst gäbe es kaum noch Verbesserungspotenzial.“

Wiedergutmachung für Salto Nullo
Carolin Schäfers Trainingspartnerin Claudia Rath wollte sicher Wiedergutmachung für die Enttäuschung aus dem Vorjahr, als sie im Weitsprung nach drei ungültigen Versuchen ausgerechnet in ihrer Paradedisziplin ohne Punkte blieb. Nach einem sehr guten ersten Tag bei dem sie nur 34 Punkte unter ihrer Bestleistung blieb, wollte sie das Debakel keinesfalls wiederholen. Die WM-Vierte von Moskau behielt die Nerven und legte im ersten Versuch mit 6,61 Meter gleich einen Kracher hin. Erleichtert und befreit, setzte sie im dritten Versuch sogar noch einen drauf und holte sich den Disziplinsieg mit neuer persönlicher Bestleistung von 6,72 Meter. Vielleicht gab ihr das etwas zu viel Schwung für den 800-Meter-Lauf, bei dem sie dem hohen Anfangstempo der ersten Runde Tribut zollen musste und am Ende mit immer noch ausgezeichneten 02:09,24 Minuten nur vier Punkte unter ihrer Bestleistung von 6462 Punkten blieb. Ihre Freude trübte das keineswegs: „Super Wettkampf! Mit der Punktzahl habe ich nach den Leistungen im letzten Jahr gar nicht gerechnet. Jetzt habe ich sogar zweimal die Norm für die WM in Peking – im Siebenkampf und im Weitsprung.“

Höchstzufrieden war auch die Dritte im Bunde des DLV-Teams, Cindy Roleder. Die Hürdensprinterin, die seit vorletztem Herbst auf den Mehrkampf umgestiegen ist, holte sich nicht überraschend über 100 Meter Hürden den Disziplinsieg in 12,99 Sekunden. Auch wenn sie sich bei den Wurfdisziplinen noch schwer tat, konnte sie sich insgesamt steigern und fünf persönliche Mehrkampfbestmarken aufstellen. Mit 5948 Punkten rückt die 6000-Punkte-Marke in einem der nächsten Siebenkämpfe in greifbare Nähe.